Gerhard Hager am 17. Mai 2020

Dieses Waffeleisen isDSC09634t ca 90 cm lang, hat vorne einen Durchmesser von ca 21 cm. Ein Waffeleisen ist ein Küchengerät, mit dem man Waffeln, Oblaten oder ähnliches Gebäck herstellen kann. Waffeleisen bestehen aus zwei Eisenplatten. Die Außenseite ist glatt, die Innenseite trägt ein durchstrukturiertes Waben- oder Dreiecksmuster, eine Inschrift oder BildmotivDSC09636e, als Negativmatrize für die künftige Waffelform. Es werden immer zwei Eisen benötigt, ein Unterteil und ein darauf passendes Oberteil. In der Regel sind beide Teile zangenartig mit einem Scharnier miteinander verbunden und mit zwei Stäben als Griff ausgestattet. Beim Backen auf offenem Feuer waren lange Stiele erforderlich, um genügend Abstand vom Feuer zu halten. Unser sehr einfaches Waffeleisen ist sehr schwDSC09637er und so war es früher sicher eine anstrengende Arbeit, Waffeln zu backen.

Gerhard Hager am 16. Mai 2020

In diesem Ring ist eingraviert: „Gold gab ich für Eisen 1914  Ö.S.K.“

1914 begann der 1. Weltkrieg. Vorerst glaubte Kaiser Franz Josef, er könnten einen Blitzsieg gegen Serbien landen. Dann wurde ein großer Krieg DSC09590DSC09592daraus. Gekämpft wurde in Europa, im Nahen Osten, in Afrika, Ostasien und auf den Weltmeeren. Etwa 17 Millionen Menschen verloren durch diesen Krieg ihr Leben. Aus unserer Gemeinde Hofstetten-Grünau gab es 66 Tote.

Gold gab ich für Eisen war ein Werbespruch, der in Kriegszeiten dazu aufrief, Gold und Schmuck für die Kriegsführung zu spenden. Im Gegenzug erhielt der Spender  Schmuck aus Eisen. Schon 1813 im Krieg der Preußen gegen Napoleon gab es diesen Aufruf Gold und Silber zu spenden. Dafür bekamen die Spender z.B. eiserne Eheringe. Im 1. Weltkrieg wurde dieser Werbespruch wieder verwendet. Mit dieser „Kriegshilfsorganisation“ sollte die Kriegsführung finanziell unterstützt werden. Die Leute gerieten unter sozialen Druck und „sollten“ (durften, mussten) auch etwas hergeben. Organisiert wurde die Spendenaktion vom Kriegshilfsbureau des k. k. Ministeriums des Inneren.

 

 

Gerhard Hager am 15. Mai 2020

Diese Nähzwinge oder Nähklemme soll beim Nähen und Stopfen helfen. Sie wird wie eine Schraubzwinge am Tisch befestigt. Oben ist ein Nadelkissen.Unsere Nähklemme hat eine Höhe ohne Zwingengriff von 20 cm,  eine Breite und Tiefe von je 7 cm, Holz und einen  Nähpolster aus Stoff. Als Verzierung ist im Holz ein Hirsch zu sehen.

Entstanden sind die Nähzwingen gegen Ende des 17. Jahrhunderts und kamen als Arbeitserleichterung im 18. Jh. in Mode, da es das erste Gerät war,DSC06181 dDSC06183as es erlaubte, das Material zu verschieben, ohne die Klammer zu lösen. Im 19. Jh. waren sie oft als Geschenkartikel beliebt und junge Männer gaben kunstvoll verzierte Nähschrauben an ihre zukünftigen Bräute. Unsere Nähzwinge dürfte ein Alter von 150 Jahren haben.

 

Gerhard Hager am 14. Mai 2020

Die Steinnuss, auch Taguanuss oder Corozonuss genannt, ist der Samen von Palmen, die zur Gattung der Steinnusspalmen gehören.DSC09183

Die 5 bis 15 MetDSC09181er hohen Steinnusspalmen wachsen vor allem in Ecuador, auch in Panama, Brasilien, Kolumbien und Peru. Sie bevorzugen feuchte Standorte und sind bis in eine Höhe von 1800 Meter anzutreffen.

Die weiblichen Pflanzen produzieren jährlich etwa 20 kopfgroße, krustige, holzige und bedornte Fruchtballen, die direkt am Palmstamm hängen und wegen ihrer Härte nur mit der Hacke  geerntet werden. Sie sind in Kammern gegliedert und enthalten, in Fruchtfleisch eingebettet, jeweils mehrere Dutzend Samen bis zur Größe eines Hühnereis.

Nach der Ernte sind die „Nüsse“ noch weich. Die zur Verarbeitung ausgewählten Nüsse werden mehrere Monate an der Sonne getrocknet. Dabei werden sie allmählich fester, bis sie schließlich – und das ist das Besondere an der Steinnuss – durch und durch die Härte von Knochen erlangen. Unter einer braunschwarzen Außenhaut erscheint nun ein elfenbeinfarbenes Material, das sich sägen, fräsen, drechseln, schnitzen, polieren und auch einfärben lässt.

Die Bevölkerung von (zB) Ecuador fertigte allerlei Gegenstände wie Schmuck, Kämme, Zahnstocher oder Sägen daraus an. Durch den Seehandel wurden Steinnüsse dann in Europa bekannt.

Aufgrund ihres günstigen Preises wurden Taguanüsse als billiger Ersatz für das wesentlich teurere Elfenbein genutzt. So wurden Knäufe, Schachfiguren, Spielwürfel, Pfeifenköpfe, Knöpfe, Figuren, Spielzeug und vieles mehr daraus hergestellt. (vgl. wikipedia)

In Hofstetten gab es eine Knopffabrik, die solche Stein-Nüsse verarbeitet hat. Die Knopffabrik befand sich am ehemaligen Mühlbach (heute Grünsbach) an der Kreuzung mit der Friedhofstraße. Die Wasserkraft des Mühlbaches wurde genutzt. Besitzer der Knopffabrik war u.a. Carl Ritter Schierl von Moorburg. 1896 dürfte die aufgelassene Fabrik abgebrannt sein. (Mehr dazu im neuen Häuser- und Höfebuch, Hofstetten 50, S. 580 f.)

Auch heute noch gibt es Fabriken, die solche Stein-Nüsse zu Knöpfen verarbeiten. Die Firma Hirt in Graz z.B. Von der Firma Hirt haben wir auch Auskunft über die Knopferzeugung und die abgebildeten Muster bekommen.

 

Wir haben im Museum ein religiöses Buch über die Leidensgeschichte Christi aus dem Jahr 1753. Bis ins 18. Jahrhundert waren die meisten Bücher religiöDSC09175sen Inhalts. Unser Buch ist interessant wegen seines Alters und auch wegen seiner Buch-Geschichte. Bei einem Erhebungsgespräch kamen wir auf alte Bücher zu sprechen. Der Hausherr zeigte uns darauf dieses alte Buch. Es war nass geworden und in einem erbärmlichen Zustand, wie die von uns aufbewahrten Buchdeckel zeigen. Unsere ausgezeichneteDSC09170r Buch-Restaurator hat sich des Buches angenommen und es in vielen Arbeitsstunden hergerichtet. Er hat ein wahres Wunder vollbracht. Heute ist das Buch trocken, Fehlendes wurde mühsam ergänzt, die Buchdeckel waren nicht mehr zu retten und wurden ersetzt.DSC09173 DSC09174

Gerhard Hager am 12. Mai 2020

Wir haben schon öfter Kinder gefragt, was dieser schwarze Gegenstand sein soll.  – Natürlich ein Hirschkäfer – ein übergroßer sogar. Es ist, genauso wie das hölzerne Exemplar: ein Stiefelknecht. Diese Exemplare sind den älteren Mitbürgern/innen gut bekannt. Die jüngere Generation kann damit wenig anfangenDSC09192.

Ein Stiefelknecht ist ein Hilfsmittel – manchmal sehr einfach gehalten, manchmal sehr kunstvoll und aufwendig gemacht, das zum leichteren und zugleich schonenden Ausziehen von Stiefeln oder Schuhen dient. Stiefel waren früher meist sehr eng anliegend und man brauchte Hilfe, um sie auszuziehen. Auch Personen, die nicht mehr so beweglich waren, brauchten einen Stiefelknecht zum Ausziehen des Schuhwerks.

Ein Fuß steht hinten auf dem Brett (oder auf dem Käfer), der andere Fuß ist zwischen den Zangen. Die Zangen halten den Stiefel fest, während der Fuß/ das Bein herausschlüpft.

Der Name kommt von der Bezeichnung für einen Bediensteten (einen Knecht), der in adeligen Häusern den Herren (und Damen) beim Ausziehen der Stiefel geholfen hat.

 

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In Tradigist wohnte Richard Krückl. Er war gelernter Bäcker, aber handwerklich sehr geschickt in vielen Bereichen. In seinem angestammten BerufDSC09157 entwickelte er MaschinenDSC09159, mit denen er Kaisersemmeln schnell formen konnte. Eine Kaisersemmel ist sternförmig eingeschnitten.  In die unten befindliche Schale legte er den Teigling, drückte den Hebel hinunter und schon war eine Kaisersemmel geformt. Richard Krückl übergab 2015 seine von ihm entwickelte Maschine unserer Heimatforschung.

Wie ist die Kaisersemmel zu ihrem Namen gekommen? Wikipedia schreibt:

Wer der Erfinder der Kaisersemmel ist, ist nicht klar. Vielleicht geht der Name auf Kaiser Friedrich III. (der mit AEIOU) zurück, der 1487 Semmeln mit seinem Porträt backen ließ.

Nach einer anderen Version soll ein Wiener Bäcker namens Kayser um 1730 die Kaysersemmel erfunden haben.

Laut einer anderen Geschichte wurden im 18. Jahrhundert der Preis und das Gewicht der Semmel in einer Satzung geregelt. Durch den hohen Mehlpreis konnten die Bäcker jedoch kaum Gewinne erzielen. Im Jahr 1789 sandte daher die Bäckerinnung eine Abordnung zu Kaiser Joseph II., um eine freie Preisgestaltung für die Semmel zu erbitten. Der Kaiser war von der Handwerkskunst der Bäcker so angetan, dass er die Streichung der Semmel von der Satzung bewilligte und die Semmel fortan Kaisersemmel genannt wurde.

Wieder anderen Erzählungen zufolge, galt seit der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph von 1848 bis 1916 die Bezeichnung „Kaiser“ in Verbindung mit Speisen und Getränken bald als höchste Steigerung, womit man das Beste seiner Art bedachte.

Eine weitere mögliche Herkunft des Namens ist die Ableitung vom Italienischen „a la casa“ („nach Art des Hauses“).

 

Gerhard Hager am 10. Mai 2020

Altes Spielzeug ist ein sehr beliebtes Sammelgebiet. Aufzieh-Spielzeug ist noch beliebter. Diese Figur (sie stammt aus etwa 1930) konnte man mit einem Schlüssel aufziehen. Die Figur stellt Charlie Chaplin dar. Nach dem Aufziehen konnte die Figur einen Gehstock schwingen, wie es CDSC09167harlie Chaplin in vielen Filmen gemacht hat.

Charlie Chaplin (1889 – 1977) war ein englischer Schauspieler, Komiker, Regisseur, …

Man erkennt Charlie Chaplin sofort an seinem „Chaplinbart“, übergroßer Hose und Schuhen, enger Jacke, Bambusstock in der Hand und zu kleiner Melone auf dem Kopf.

1972 wurde Charlie Chaplin ein Ehrenoscar für sein Gesamtwerk verliehen. Bei der Verleihung erhielt er 12 Minuten lang großen Applaus (was bis heute unerreicht ist).

 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war die Zeit sehr unsicher. Russische Besatzungssoldaten waren manchmal unberechenbar. In Hofstetten lebte auch Frau Iwanitzky. Sie war eine Ukrainerin und eigentlich als Kriegsgefangene gebracht worden. Sie half den Leuten, wo sie nur konnte. Da sie natürlich Russisch sprach, konnte sie sic2252_Weltkrieg2_BestaetigungIwanitzky1945h mit den Besatzungssoldaten gut unterhalten. Für den damals 23 jährigen Karl Mayer (den späteren Raika-Direktor) schrieb sie diese Legitimation. Der junge Karl Mayer wäre als ehem. Wehrmachtsangehöriger sehr gefährdet gewesen. Karl Mayer hatte sich kurz vor Kriegsende von seiner Einheit entfernt und war nach Hofstetten zurückgekommen. Die letzten Kriegstage hatte er (untergetaucht) in Hofstetten verbracht. Hinter einem Vorhang hatte er auch vom Fenster der elterlichen Wohnung den vorbeimarschierenden russischen Soldaten zugeschaut. Frau Iwanitzky, deren Vorname unbekannt ist, hatte die Legitimation (die auch Bürgermeister Hermann Chatt unterschrieben hat) ins Russische übertragen. So überlebte Karl Mayer die ersten Wochen nach der Befreiung. Einige Monate später wurde Frau Iwanitzky von russischen Soldaten abgeholt und „heim“ nach Russland gebracht. Man hat nie wieder etwas gehört von ihr.

Die Heimatforschung hat ein sehr großes Archiv von Fotos und Dokumenten zur Geschichte von Hofstetten-Grünau.

Gerhard Hager am 8. Mai 2020

 

 

Im April und Anfang Mai 1945 waren die letzten Tage des 2. Weltkrieges. Die Front verlief in Aigelsbach/ Plambacheck. Geschütze schossen hin und her. Es gab Kämpfe in den Frontstellungen. Noch immer findet man im umkämpften Gebiet (gefährliche) Kriegsrelikte. Zwei Bilder zeigen einen Zünder von einer Flak-Granate. Am Zünder konnte mit drehbaren Ringen eine bestimmte Zeit eingestellt werden. Die Granate wurde abgeschossen und nach der eingestellten Zeit explodierte die Granate. Die Flak-Geschütze standen in Grünsbach und waren gegen amerikanische und britische Flugzeuge gerichtet. Gefunden wurde DSC09165der Zünder DSC09164 bei einem Schulausflug in der Nähe der Kronawett-Kapelle in Grünsbach.

Aus dem Gebiet Aigelsbach/ Plambacheck stammen die beiden Reste von Granatwerfer-Sprenggranaten. Deutsche Soldaten feuerten sie Richtung russische Front. Die Reichweite war etwa 125 bis 2200 Meter, später bis 4500  Meter. (vgl. wikipedia.at) Die Sprenggranaten mit einem Gewicht von 3,5 Kilogramm hatten eine Flugdauer von 26 Sekunden. Beim Einschlag in das Ziel wurden Splitter im Umkreis von 30 Metern verteilt. Eingesetzt wurden solche Granaten in der Infanterie, z. B. in Schützengrabenkämpfen. Zur Bedienung waren 7 Mann vorgesehen. Ein Granatwerfertrupp bestand aus Truppführer, Richtschütz, Ladeschütze und den Munitionsschützen 1-3. Der gesamte Granatwerfer hatte ein Gewicht von etwa 61 kg.

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